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„Wir erwarten, dass neue Regelungen fachlich begründet werden“

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    Reline
  • vor 7 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

RELINE Interview Marc Stiebing DWA-Arbeitsblatt


Die Diskussion um die Neufassung des DWA-Arbeitsblatts A 143-3 bewegt derzeit die Schlauchlining-Branche. Im Mittelpunkt steht eine Richtungsfrage: Wie viel Regulierung ist notwendig, um Qualität dauerhaft zu sichern, und wo beginnen Vorgaben, die die praktische Umsetzung und die Weiterentwicklung der Technologie erschweren? Marc Stiebing, CEO von RELINE, ordnet die aktuelle Debatte ein und bezieht klar Position.


Herr Stiebing, derzeit sorgt in der Branche der Entwurf zur Neufassung eines DWA-Arbeitsblatts für Aufsehen. Was genau hat es damit auf sich?


Der Entwurf für das A 143-3 greift an vielen Stellen in bestehende technische und prozessuale Grundlagen der grabenlosen Kanalsanierung ein. Es geht dabei nicht um einzelne Detailanpassungen, sondern um eine Reihe von Anforderungen, die Materialeinsatz und Abläufe bis zur Baustelle deutlich verändern würden. So stehen beispielsweise pauschale Vorgaben zu Mindestwanddicken, strengere Temperatur- und Transportbedingungen oder zusätzliche Prozessanforderungen im Raum.



Wieso wird das DWA-Arbeitsblatt so intensiv diskutiert?

Die Diskussion entsteht vor allem deshalb, weil viele dieser Forderungen aus fachlicher Sicht Fragen aufwerfen. In der Branche besteht an mehreren Punkten Unklarheit darüber, auf welcher technischen Grundlage diese Verschärfungen beruhen und welchen konkreten Mehrwert sie tatsächlich bringen. Wo neue Regelungen fachlich nachvollziehbar und verhältnismäßig sind, muss man sie diskutieren. Genau diese Nachvollziehbarkeit erwarten wir aber auch. Wer Regeln für eine ganze Branche formuliert, trägt eine besondere Verantwortung.


Was die aktuelle Situation zusätzlich brisant macht: Wir diskutieren nicht nur über ein Regelwerk in Bearbeitung. Gleichzeitig sind bereits zusätzliche Vorgaben im Umlauf, die in der Praxis Einfluss entfalten.



Warum ist es RELINE wichtig, sich in die Diskussion einzubringen?

In der Arbeitsgruppe sitzen viele Menschen, die die Branche über Jahre mit ihrem Wissen geprägt haben. Das verdient Anerkennung. Aber hier sind wir in vielen Aspekten grundsätzlich anderer Meinung.


Wer wie wir die Technologie des UV-Schlauchlinings seit Jahren als Marktführer vorantreibt, trägt auch Verantwortung dafür, Dinge kritisch zu hinterfragen. Ich möchte festhalten: Es geht nicht um eine theoretische Debatte unter Fachleuten. Wenn das Arbeitsblatt in der derzeit diskutierten Form in Kraft tritt, hätte das dramatische Folgen.


Außerdem ist jetzt noch der Moment, in dem Einwände etwas bewirken können. Wenn sich bestimmte Anforderungen erst einmal verfestigt haben, wirken sie über Ausschreibungen und Vergabeprozesse direkt in die Praxis hinein.



Man merkt, das Thema ist Ihnen auch persönlich wichtig.

Absolut. Ich bin Vater von drei erwachsenen Kindern. Mich treibt die langfristige Wirkung solcher Entscheidungen um. Infrastruktur denkt man nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten. Gerade bei Wasserinfrastruktur geht es zudem um etwas sehr Grundsätzliches: funktionierende Netze, Ressourcenschutz und um die Frage, wie verantwortungsvoll wir auch für künftige Generationen mit einem unserer wichtigsten Güter umgehen.



Wie ist die Position von RELINE in der Debatte um das Arbeitsblatt?

Wir stehen klar hinter technischen Regelwerken. Ohne solche Leitplanken geht es nicht. Kritisch wird es aus unserer Sicht dort, wo Qualität vor allem über Vereinheitlichung abgesichert werden soll. Nicht jede Haltung braucht dieselbe Vorgabe. Einbausituationen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Entscheidend ist am Ende, ob der sanierte Kanal betriebssicher, standfest und gebrauchstauglich ist.



Ein zentraler Streitpunkt ist die Erhöhung der Wanddicke der Schlauchliner. Warum bewerten Sie das so kritisch?

Weil sich daran ein grundlegender Denkfehler besonders gut zeigen lässt. Wenn im konkreten Fall drei Millimeter Wanddicke ausreichen, ist es nicht automatisch sinnvoll, pauschal vier Millimeter zu fordern.


Mehr Materialeinsatz schafft nicht automatisch einen Qualitätsgewinn. Er bedeutet zunächst mehr Ressourcenverbrauch und höhere Kosten, die am Ende die Kommunen mit vielerorts schon angespannter Finanzlage wie auch die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich belasten.


Hinzu kommt, dass Innovation und Wettbewerb auf diese Weise gebremst werden. Ich bin stolz darauf, dass wir bei RELINE als Team jeden Tag daran arbeiten, ein Stück besser zu werden und unsere Produkte kontinuierlich zu optimieren. Aus diesem Grund haben wir auch eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Wenn sich die starren Vorgaben aus dem Arbeitsblattentwurf allerdings durchsetzen, ist dieses Streben nach Fortschritt, das den RELINE-Spirit so entscheidend mitprägt, hinfällig. Dabei sollte es doch unser Ziel sein, perspektivisch weniger, statt vieler tausend zusätzlicher Tonnen mehr Harz und Glas unter die Erde zu bringen und dem Markt mittelfristig einen klimaneutralen Schlauchliner bereitzustellen.



Sind das die dramatischen Folgen, von denen Sie vorher gesprochen haben?

Die Folgen reichen deutlich weiter. Wenn bei gleichem Budget weniger Projekte umgesetzt werden können, verschärft sich der bestehende Sanierungsstau. Dabei bleibt der Erneuerungszyklus des im Durchschnitt 50 Jahre alten Kanalnetzes schon heute deutlich hinter den Notwendigkeiten zurück. Realistisch betrachtet müssten die Maßnahmen mindestens verdoppelt werden, denn der massive Sanierungsstau begünstigt Leckagen. Durch undichte Kanäle exfiltrieren in Deutschland Schätzungen zufolge jährlich bis zu mehrere hundert Millionen Kubikmeter Abwasser unkontrolliert. Dadurch können Grund- und Oberflächenwasser verschmutzt werden, was wiederum Mensch und Umwelt potenziell gefährdet.


Und genau hier kommt für mich noch ein weiterer Punkt dazu: Wenn wir solche Zusammenhänge sehen und trotzdem nichts sagen, stellt sich irgendwann auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Branche. Dann könnte der Eindruck entstehen, wir wollten uns am zusätzlichen Materialeinsatz wirtschaftlich bereichern.



Um noch einmal zum Thema Nachhaltigkeit zu kommen. Warum ist Ihnen dieses Thema auch im Zusammenhang mit dem Arbeitsblatt A 143-3 so wichtig?

Der Purpose von RELINE lautet „Innovative Lösungen für nachhaltige Wassernetze“. Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Unser übergeordnetes Unternehmensziel ist es deshalb, Kanalnetze weltweit mit innovativen Lösungen umweltschonend zu sanieren.


Wie eine unabhängige Studie von Fraunhofer UMSICHT belegt, ist die grabenlose Kanalsanierung mit GFK-Schlauchlinern die emissionsärmste Sanierungsmethode. In seiner jetzigen Form würde das DWA-Arbeitsblatt A 143-3 die bereits erreichten Fortschritte bei der CO₂-Reduktion konterkarieren.



Was bedeutet die aktuelle Diskussion für Kommunen, Auftraggeber und Planer, die bereits mit bewährten Systemen arbeiten?

Vor allem eines: Wer aus der aktuellen Diskussion ableitet, bisher verbaute Schlauchliner seien unzureichend, zieht den falschen Schluss. Die heute eingesetzten Systeme sind geprüft und technisch ausgereift. Die relevanten Nachweise liegen vor. Es gibt keinen Anlass, bewährte Lösungen im Nachhinein grundsätzlich infrage zu stellen.

Steht RELINE mit seiner Haltung zum Arbeitsblatt in der Branche allein?

Nein. Wir stehen im Austausch mit anderen Marktteilnehmern und sehen klar, dass unsere Bedenken in der Branche geteilt werden. Es geht hier nicht um Einzelinteressen, sondern um eine Weichenstellung dafür, wie zügig und wirksam die Sanierung unseres Wassernetzes in den kommenden Jahren vorankommt. Und darum, wie wir als Branche auf den Green Deal der Europäischen Union einzahlen, der Klimaneutralität bis 2050 fordert.



Welche Rolle will RELINE in der weiteren Diskussion spielen?

Eine konstruktive. Wir wollen diese Debatte nicht nur kommentieren, sondern mit fundierten Erkenntnissen begleiten. Das heißt für uns in den kommenden Wochen und Monaten: Wir bringen unsere Praxiserfahrung ein, prüfen Daten sorgfältig und ordnen technische Zusammenhänge sauber ein. Dazu werden wir etwa auf Messen und in der Fachpresse den Diskurs vorantreiben.



Was ist Ihre Botschaft an den DWA-Arbeitskreis?

Wir wollen, dass die weitere Ausarbeitung des Arbeitsblattes A 143-3 auf einer nachvollziehbaren und belastbaren Grundlage erfolgt. Deshalb sollte der Entwurf noch einmal kritisch geprüft werden. Das Team von RELINE wie auch die anderen Marktteilnehmer stehen gerne mit jahrzehntelanger Projekterfahrung und wissenschaftlich fundierten Ergebnissen zur Seite, um eine konstruktive Weiterentwicklung zu ermöglichen.




Pressekontakt

RelineEurope GmbH

Katrin Nitsche

Head of Marketing

Tel: +49 6349 93934-245



Über RELINE

Die 2009 gegründete RelineEurope GmbH stellt an ihrem Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Rohrbach GFK-Schlauchliner wie auch die passende UV-Technologie für deren Aushärtung auf der Baustelle her. RELINE ist der weltweit einzige Hersteller, der die GFK-Schlauchliner sowie das dazugehörige Equipment aus einer Hand anbietet. Eine weitere Besonderheit ist die hauseigene Produktion von Glasfasermatten. Darüber hinaus ist das Unternehmen in Japan, Indien und den USA aktiv.

 
 
 

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